Cannstatter Stolperstein-Initiative

Lina Speiser. "Verlegt" nach Grafeneck

Lina Speiser (Foto undatiert)Wer waren die Menschen, die der NS-„Euthanasie“ zum Opfer gefallen sind? Man möchte wenigstens ein Stückchen ihrer Biografie kennen, aber von Lina Speiser wissen wir nur, dass sie schwer krank war, deshalb Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in psychiatrischen Kliniken anvertraut. Von dort, wo man sie behütet glaubte, ging ein Fragebogen nach Berlin, wo einer, der sie nie gesehen hat, über ihr Schicksal entschied. Ihre Krankenakte erhielt den Vermerk „verlegt“, dann wurde sie in einem der berüchtigten Gekrat-Busse abgeholt, nach Grafeneck verbracht und gleich nach ihrer Ankunft im Gas erstickt. Die Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft gmbH, kurz Gekrat, unterstand der für die Krankenmorde zuständigen Zentraldienststelle T4.

10 654 Gasmorde im Jahr 1940, so lautet die Bilanz von Grafeneck. Ausrotten und dem Vergessen anheim geben, hieß das Ziel der NS-Täter. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht im Grundgesetz. Lina Speiser ist dieser Würde beraubt und qualvoll ermordet worden. Daran soll ihr Stolperstein erinnern, aber auch an die Neigung des Menschen zur Hybris.

Collage zur Stolpersteinverlegung für Lina Speiser, Ernst Wilhelm Herdtfelder und Willy Guillard .
Eine vorwiegend aus Migranten bestehende Klasse der Rosensteinschule
hat sie unter Leitung von Claudia Strohm geschaffen.

Brückenstraße 11, Stolperstein verlegt am 9. Oktober 2017

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