Cannstatter Stolperstein-Initiative

Otto Gabriel, mit sieben Jahren vergast

Wer waren die Menschen, die der NS-„Euthanasie“ zum Opfer fielen? Man möchte wenigstens ein Stückchen ihrer Biografie kennen, aber vom siebenjährigen Otto Gabriel wissen wir nur, dass er schwerstbehindert war, deshalb Ärzten und psychiatrischen Kliniken anvertraut. Von dort, wo man ihn behütet glaubte, ging ein Fragebogen nach Berlin, wo einer, der ihn nie gesehen hat, über sein Schicksal entschied. Seine Krankenakte erhielt den Vermerk „verlegt“, dann wurde er in einem der berüchtigten grauen Busse nach Grafeneck verbracht und gleich nach seiner Ankunft im Gas erstickt. 10 654 Gasmorde im Jahr 1940, so lautet die Bilanz von Grafeneck. Ausrotten und dem Vergessen anheim geben, hieß das Ziel der NS-Täter. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht im Grundgesetz. Otto Gabriel ist dieser Würde beraubt und qualvoll ermordet worden. Daran soll sein Stolperstein erinnern, aber auch an die Neigung des Menschen zur Hybris..
Sparrhärmlingweg 73b. Stolperstein verlegt am 17. September 2012.
© Bild. Anke Redies

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