Cannstatter Stolperstein-Initiative

Barbara Johanna Herrmann: "verlegt" nach Grafeneck

Wer waren die Menschen, die der NS-„Euthanasie“ zum Opfer gefallen sind? Man möchte wenigstens ein Stückchen ihrer Biografie kennen, aber von Barbara Johanna Herrmann wissen wir nur, dass sie schwer krank und deshalb Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in psychiatrischen Kliniken anvertraut war. Von dort, wo man sie behütet glaubte, ging ein Fragebogen nach Berlin, wo einer, der sie nie gesehen hat, über ihr Schicksal entschied. Ihre Krankenakte erhielt den Vermerk „verlegt“, dann wurde sie in einem der berüchtigten Gekrat-Busse abgeholt, nach Grafeneck verbracht und gleich nach ihrer Ankunft im Gas erstickt. Die Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft gmbH, kurz Gekrat, unterstand der für die Krankenmorde zuständigen Zentraldienststelle in der Berliner Tiergartestraße 4, die sich unter dem Kürzel T4 versteckte.

10 654 Gasmorde im Jahr 1940, so lautet die Bilanz von Grafeneck. Ausrotten und dem Vergessen anheim geben, hieß das Ziel der NS-Täter. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht im Grundgesetz Barbara Johanna Herrmann ist dieser Würde beraubt und qualvoll ermordet worden. Daran soll ihr Stolperstein erinnern, aber auch an die Neigung des Menschen zur Hybris.
.Martin-Luther-Straße 72, Stolperstein verlegt am 15. April 2013.
© Text: Rainer Redies, Cannstatter Stolperstein-Initiative
© Bilder: StAS, Anke Redies, Cannstatter Stolperstein-Initiative

Bildlegende: Barbara Johanna Herrmann, undatiert

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