Cannstatter Stolperstein-Initiative

Karl Günther Schmidt: Kaum gelebt, schon ermordet

Wer waren die Menschen, die der NS-„Euthanasie“ zum Opfer fielen? Man möchte wenigstens ein Stückchen ihrer Biografie kennen, aber von Karl Günther Schmidt wissen wir nur, dass er schwerstbehindert war und die letzten zwei Jahre seines Lebens in der Diakonie Stetten verbracht hat, wo man ihn behütet glaubte. Am 30. Oktober 1940 jedoch erhielt seine Krankenakte den Vermerk „verlegt“, was seinem Todesurteil gleichkam. Mit einem der berüchtigten grauen Busse wurde der Fünfzehnjährige nach Grafeneck verbracht und gleich nach seiner Ankunft im Gas erstickt.
10 654 Gasmorde im Jahr 1940, so lautet die Bilanz von Grafeneck. Ausrotten und dem Vergessen anheim geben, hieß das Ziel der NS-Täter. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht im Grundgesetz. Karl Günther Schmidt ist dieser Würde beraubt und qualvoll ermordet worden. Daran soll sein Stolperstein erinnern, aber auch an die Neigung des Menschen zur Hybris.
Bochumer Straße 9. Stolperstein verlegt am 9. Oktober 2010

© Text: Rainer Redies, Cannstatter Stolperstein-Initiative
© Bild: Anke Redies

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