Cannstatter Stolperstein-Initiative

Willy Mundinger: "Verlegt" nach Grafeneck

Niedernauer Straße 12, Stolperstein verlegt am 17. Mai 2014.Wer waren die Menschen, die der NS-„Euthanasie“ zum Opfer fielen? Man möchte wenigstens ein Stückchen ihrer Biografie kennen, aber von Willy Mundinger wissen wir nur, dass er schwer krank war, deshalb Ärzten und psychiatrischen Kliniken anvertraut. Von dort, wo man ihn behütet glaubte, ging ein Fragebogen nach Berlin, wo einer, der ihn nie gesehen hat, über sein Schicksal entschied. Seine Krankenakte erhielt den Vermerk „verlegt“, dann wurde er in einem der berüchtigten grauen Busse nach Grafeneck verbracht und gleich nach seiner Ankunft im Gas erstickt. - 10 654 Gasmorde im Jahr 1940, so lautet die Bilanz von Grafeneck. Ausrotten und dem Vergessen anheim geben, hieß das Ziel der NS-Täter. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht im Grundgesetz. Willy Mundinger ist dieser Würde beraubt und qualvoll ermordet worden. Daran soll sein Stolperstein erinnern, aber auch an die Neigung des Menschen zur Hybris.

"Mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern haben auch Bad Cannstatts Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler und Stadträtin Marita Gröber an dieser Stolperstein-Verlegung teilgenommen.
Mit Lesungen und einer bewegenden musikalischen Einlage gaben behinderte Menschen vom Haus Clemens von Galen dieser Verlegung einen eindrucksvollen Verlauf.

© Text: Rainer Redies, Cannstatter Stolpersteininitiative
© Foto: Anke Redies, Petra Siebholz

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